Wie wäre es, wenn ihr im Team einen regelmäßigen Rahmen habt, um Euch immer wieder auszutauschen – über das was im letzten Projekt super lief oder vielleicht habt ihr auch Fehler gemacht, die so nicht wieder passieren sollten oder es gibt Dinge, die so toll funktionierten, dass ihr diese unbedingt beibehalten wollt.

Genau darum geht es in Retrospektiven – man schaut auf das Vergangene und reflektiert: Was lief gut? Was lief schlecht? Wo gibt es Potenziale?

Wir erklären Euch in dem Artikel was eine Retrospektive ist, welchen Rahmen man festlegen sollte um diese durchzuführen, welche Informationen ihr sammeln solltet und wie ihr Euch daraus direkt Maßnahmen ableiten könnt. Oder ihr schaut Euch direkt unser Video (ganz unten) an, hier erklären wir Euch auch was eine Retrospektive ist und zeigen Euch, wie ihr für Eure Retrospektiven eine praktische Confluence-Vorlage nutzen könnt.

„Retrospektive: Blick in die Vergangenheit; Rückblick, Rückschau“

Duden

Viele von Euch kennen Retrospektiven aus agilen Projekten, in denen sind sie ein fester Bestandteil. So ist beispielsweise im Scrum eine Retrospektive ein regelmäßiges Event, zu dem sich das Scrum-Team trifft, um die jüngere Vergangenheit – also den zurückliegenden Sprint – zu beleuchten. Klassisch sind Retrospektiven im Projektmanagement eher unter Lessons Learned (Gewonnene Erkenntnisse) bekannt, allerdings nicht nur für die agile Software-Entwicklung, sondern für jede Art der Zusammenarbeit im Team. Es geht darum zu schauen, was man in der Zusammenarbeit im Team verbessern kann, indem man darüber nachdenkt, was in der Vergangenheit funktioniert hat, was nicht und warum und was man daraus lernen kann. Retrospektiven werden meist in regelmäßigen Schleifen im Projektverlauf durchgeführt und auch nicht erst am Ende. Schaut einfach welcher Rhythmus für Euch passt, ob ihr Euch beispielsweise jeden Monat austauschen wollt oder aller zwei Wochen. Ihr müsst dafür auch keinen halben oder ganzen Tag einplanen, meist reicht aus unserer Erfahrung dafür ein Zwei-Stunden-Termin.

Retrospektiven verbessern die Zusammenarbeit im Team

Retrospektiven bieten zahlreiche Vorteile, so kann man damit unter anderem die Zusammenarbeit im Team verbessern, erkennt kontinuierlich Verbesserungspotenziale, wird ganz konkret indem man sich direkt Maßnahmen aus den gewonnenen Erkenntnissen ableitet und hat damit auch eine tolle Möglichkeit im Team eine Feedback-Kultur zu etablieren.

Welche Regeln sollte man beachten?

Zu Beginn einer Retrospektive ist es wichtig, dass ihr Euch eine Art Rahmen festlegt, also ein paar Regeln, an die sich jede:r Teilnehmer:in hält.

Alles was ihr in einer Retrospektive besprecht ist auch nur für die Teilnehmenden gedacht und sollte nicht nach außen getragen werden. Es sei denn, ihr habt Euch darüber verständigt, dass ihr diese Informationen zum Beispiel an alle Kolleg:innen weitergebt, damit diese auch davon profitieren. In einer Retrospektive ist es wichtig aufgeschlossen zuzuhören und niemand persönlich anzugreifen, andersherum sollte ihr Euch das Gesagte auch nicht persönlich nehmen. Jede:r Teilnehmende sollte gehört werden. Der Fokus sollte ganz klar auf Verbesserung liegen und Schuldzuweisungen sind hier fehl am Platz. Legt fest über welchen Zeitraum ihr sprechen wollt (den letzten Sprint, letzten Monat, das letzte Quartal oder das gesamte Projekt).

Hier nochmal zusammengefasst die Regeln:

  • „Vegas-Regel“ – „What happens in Vegas stays in Vegas“
  • Macht es nicht persönlich, nehmt es nicht persönlich
  • Hört aufgeschlossen zu
  • Die Erfahrung aller ist wertvoll
  • Legt fest über welchen Zeitraum ihr sprecht (letzter Sprint, letztes Quartal, gesamtes Projekt usw.)
  • Konzentriert euch auf Verbesserungen, statt Schuldzuweisungen

Am besten ihr startet Eure Retrospektive auch immer wieder kurz mit den Regeln, damit alle Teilnehmen sich diese immer wieder ins Gedächtnis rufen können. Und bevor ihr mit der Sammlung der Informationen startet ist es immer gut einen schönen Einstieg zu wählen – wir fragen dabei die Stimmung aller Teilnehmenden über Emojis ab. Jede:r darf sich einem Emoji zuordnen. Und entweder wir machen das ganze in unserer Confluence-Vorlage oder nutzen bei Vor-Ort-Terminen unser Whiteboard.

Welche Informationen sind wichtig?

Ihr wisst, was ihr mit einer Retrospektive erreichen könnt, welche Regeln ihr beachten solltet und nun geht es um die Informationen, die ihr sammeln solltet. Bei uns im Team hat sich zum strukturierten sammeln aller Informationen die 4L-Methode etabliert. Es gibt noch viele, viele andere Methoden, aber im Grunde geht es immer darum zu erfahren, was gut lief und was nicht und daraus Maßnahmen abzuleiten.

4L-Methode

  • What I loved – Was mir gefallen hat.
  • What I learned – Was ich gelernt habe.
  • What I lacked – Was mir gefehlt hat.
  • What I longed – Wonach ich mich sehne/Was ich mir wünsche.

Jede:r Teilnehmende der Retrospektive überlegen was ihnen gefallen hat, was sie gelernt haben, was ihnen gefehlt hat und was sie sich noch wünschen. Diese Infos werden dann, im Team, Punkt für Punkt vorgetragen und daraus werden Maßnahmen abgeleitet.

Kleine Starfish-Methode

Auch hier gibt es wieder verschiedene Wege, die zum Ziel führen. Wichtig ist dabei vor allem, dass ihr Eure Maßnahmen konkret definiert – also wer im Team macht was und bis wann?

Was wollt ihr ausprobieren, was beibehalten und was stoppen?

Wir überführen die festgelegten Maßnahmen direkt in unser Jira, legen einen Termin fest und benennen die/den Verantwortlich:en.

Zum Abschluss unserer Retrospektiven nutzen wir die Blitzlicht-Methode: Jede:r sagt in einem Satz wie man die Retrospektive empfunden hat.

Fazit: Nutzt die Macht der kleinen Schritte

Für uns sind Retrospektiven eine super Möglichkeit um im Team aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Und für uns ist klar, dass man meist mit scheinbar kleinen Dingen viel erreichen kann. Also macht Euch keinen Stress, dass ihr viele große Maßnahmen definieren müsst, denn auch mit kleinen Schritten kommt man zum Ziel.

Hier findet ihr unser Retrospektiven-Video mit der praktischen Confluence-Vorlage. Viel Spaß beim Ansehen.

Wenn ihr mehr lesen wollt, haben wir hier noch ein paar interessante Artikel für Euch:

https://www.atlassian.com/team-playbook/plays/retrospective

https://blog.internet-halunken.de/agiles-projektmanagement/die-5-phasen-einer-retrospektive/

https://t2informatik.de/wissen-kompakt/small-starfish-retrospektive/

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