Software Auswahl

Softwarestrategien: Best-of-Breed vs. Best-of-Suite

Eine Herausforderung, welche sowohl Konzerne als auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) regelmäßig im Rahmen einer Tool-Evaluierung begleitet, ist die Frage danach, mit welchem Tool-Set Anforderungen an Prozesse zukünftig abgedeckt werden sollten. Der IT-Fachjargon diskutiert dafür die zwei strategischen Ausrichtungen “Best-of-Breed” vs. Best-of-Suite”. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Unternehmen wählen zwischen verschiedenen Einzellösungen oder einer integrierbaren Gesamtlösung.

Best of Breed Ansatz: Plattform aus vielen Einzellösungen

Im Falle von Einzellösungen liegt das Ziel darin, für jede abzubildende Prozesstätigkeit, die am besten verfügbare Technologie einzusetzen. Dabei werden unterschiedlich spezialisierte Einzellösungen aus verschiedenen Welten miteinander kombiniert. Infolgedessen wird ein ein Best-of-Breed Ansatz auch als modularer Strategieansatz charakterisiert, in der verschiedenartige Technologien zu einer umfassenden digitalen Plattform-Lösung am Arbeitsplatz vereint werden.

Best of Suite Ansatz: All-in-One Plattform

Bei Best-of-Suite spricht man von einem Ansatz, in der eine Vielzahl von Prozesstätigkeiten, wenn möglich, durch einen einzigen technologischen Marktanbieter abgebildet werden. Infolgedessen ist Best of Suite kein modularer Ansatz, sondern ein All-in-One Ansatz. In der Regel geht mit diesem Ansatz ein etablierter Marktführer einher (z.B. Microsoft mit Office 365, Atlassian Confluence, Google GSuite), durch dessen Bundle an Tools und Funktionalitäten sich eine Reihe Prozesstätigkeiten abbilden lassen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Drittanbieter in die Plattform zu integrieren.

Vor und Nachteile?

Beide Ansätze bringen jeweils Vor- und Nachteile mit sich. Eine Best of Breed Strategie zeichnet sich insbesondere durch Agilität und Flexibilität aus. Das äußert sich in einer kurzen Implementierungsdauer für die einzelnen Lösungen sowie flexiblen Anpassungen an neue oder nicht mehr benötigte Prozesse. Gerade Unternehmen mit einer hohen Dichte an digitalisierbaren Prozessen bevorzugen diesen Ansatz. Die Abhängigkeit gegenüber einem einzelnen Anbieter ist vielfach geringer als bei einem Suite Marktanbieter. Gegen einen Best of Breed Ansatz kann hingegen die Menge an Lizenzkosten sprechen, die für jede einzelne Technologie benötigt werden und im Vergleich zu einem Best-of-Suite Ansatz in der Regel höher ausfallen. Gerade für KMUs kann die Kostenfrage ein wichtiger Faktor sein. Auch die heterogene IT-Landschaft mit einer Vielzahl an Softwarelösungen, kann bei Mitarbeitern trotz hoher Benutzererfahrung mit einer Einzellösung Unsicherheiten hervorrufen. Empfohlen wird daher eine klar formulierte und unternehmensweite Software “Policy” (Richtlinie). Im Falle eines Best of Suite Ansatz greift man auf einen etablierten Marktanbieter zurück. Das gewählte Produkt hat sich langfristig auf dem Markt etabliert, was eine Form von Sicherheit darstellt. Das Produkt ist in der Regel ausgereift und bietet als Plattformansatz eine Reihe von Schnittstellen zu etablierten Drittanbietern. Als Nachteil kann die Abhängigkeit zu einem Marktanbieter gelten. Die Basis des etablierten digitalen Arbeitsplatzes unterliegt einer einzigen Plattform. Eine langfristige Abhängigkeit zum Marktanbieter muss dabei kalkuliert werden. Bedacht werden muss auch die Projektkomplexität, die im Falle einer Einführung größere interne Aufwände mit sich bringt. Nachfolgende Tabelle kann als Orientierungshilfe dienen.

Vergleich Best of Breed vs. Best of Suite

Fazit: Digital-Strategie als Lösungsansatz

Die Wahl zwischen modularen Einzellösungen und einer Gesamtlösung ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die bei der Ausrichtung einer internen Digital-Strategie bedacht werden muss. Für die Auswahl entscheidend ist dabei oftmals die bereits bestehende IT-Infrastruktur sowie die Komplexität der abzubildenden Prozesse. Grundsätzlich gilt für letzteres Folgendes als Richtwert: Je fachspezifischer ein Prozess, desto wahrscheinlicher ist die Notwendigkeit einer Einzellösung. Dennoch kann in vielen Fällen auch ein großer Marktanbieter mit Integrationsmöglichkeiten zur Lösung beitragen. Grundsätzlich sollte einer technologischen Einführung eine ganzheitliche und langfristig ausgelegte Digital-Strategie vorausgehen. Die Auswahl einer Technologie sollte sich an dieser orientieren und nicht umgekehrt. Nur dadurch lässt sich ein konsistentes Set an digitalen Technologien am Arbeitsplatz etablieren.