Was brauchst Du, um das zu machen, was Du willst?

Hat Sie das schon mal jemand gefragt? Oder hat Sie das gar schon mal Ihr Vorgesetzter gefragt? Nein? Wissen Sie denn selbst was Sie brauchen, um so arbeiten zu können, wie Sie wollen? So richtig gut?

Wenn es Ihnen so geht, wie mir in den letzten Jahren, dann hieß es bei meinen letzten Arbeitgebern: “Hallo Peggy. Schön, dass Du für uns arbeitest. Das hier sind deine Aufgaben. Die machst Du bitte so, wie es deine Vorgänger bereits gemacht haben. Steht alles im Wiki. Ich gebe Dir täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich vor, was Du wie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun hast. Eigene Ideen sind ziemlich unerwünscht. Verbesserungsvorschläge brauchen wir nicht. Es läuft alles genau so wie es sein soll und schon immer gelaufen ist. Ach ja, dein Privatleben interessiert nicht wirklich. Und Freizeit hast Du dann am Wochenende. Außer Samstag und Sonntag. Da musst Du ja jeweils die Woche vor- und nachbereiten. Du bist übrigens herzlich zu unserer Weihnachtsfeier in 11 Monaten eingeladen. Das Essen und ein Getränk geht ganz selbstverständlich aufs Haus. Und schau doch mal, wie toll dein Bürostuhl ist. Handy hast Du selbst, ja? Also wirklich schön, dass Du da bist. Dann gutes Schaffen! Tschüß!”

Okay. Es ist überspitzt dargestellt. Aber im Kern war es doch immer das Gefühl, eine von vielen zu sein. Ersetzbar. Wenn Du es nicht machst, macht es ein anderer. Gerade nach dem Studium mit wenig Berufserfahrung. Die Frage, was ich richtig gut kann und was mir Spaß macht, hat mir nie jemand gestellt. Ich mir selbst lange Zeit auch nicht. Ich habe nur gespürt, was mir Spaß macht, in welchen Themen ich schnell in einen Flow gekommen bin und was sich als mühselig herausgestellt hat. Und diese mühseligen, sehr zähen Themen überwogen deutlich. Dabei ist es doch meine wertvolle Lebenszeit, die mir bekannterweise nur begrenzt zur Verfügung steht. Ich wollte etwas Sinnvolles machen. Etwas mit Mehrwert. Ja, auch als Berufsanfänger. Mit großer Motivation und vielen Ideen im Kopf. Wieso traut man gerade Studenten oder Absolventen so wenig zu? Ja, ja! Sie müssen erstmal Arbeitserfahrung sammeln, haben noch keine Projekte gemacht, kennen die Kniffe noch nicht. Richtig. Aber könnte denn nicht eine Symbiose aus “neu” und “alt” entstehen? Ein Dialog geprägt durch gegenseitige Wertschätzung, verschiedenen Skills und gegenseitigem Lernen? Und dabei etwas ganz “Frisches”, vielleicht etwas Besseres bei rumkommen?

Stellen Sie sich vor, Sie folgen den ganzen Arbeitstag lang ihren Interessen! Und bringen genau damit ihrem Unternehmen den nötigen Mehrwert. Jetzt werden sicherlich einige Einspruch erheben: So funktioniert Arbeit nicht! Es gibt einfach viele Dinge, die nun mal getan werden MÜSSEN. Da ist nix mit “Interessen folgen”. Und wir von Real Experts sagen: Doch! Wir stehen dafür ein, dass Arbeit genau so funktionieren kann. Dadurch wird natürlich vieles nicht einfacher. So eine Form der wertschätzenden Zusammenarbeit braucht enorm viel Struktur und Gespräch. Aber es lohnt sich. Denn stellen Sie sich einen Mitarbeiter vor, der genau das machen kann, was ihm Spaß macht und liegt. Wieviel effektiver wird er das Unternehmen voranbringen als ein Mitarbeiter, der sich durch den Tag quält oder gar seine Arbeitsstunden absitzt?

Meiner Meinung nach lautet deshalb eine der wichtigsten Fragen gegenüber Mitarbeitern: “Was brauchst Du, um das zu machen, was Du willst?” Wofür diese Frage? Läuft doch alles:

  1. Burnout hier und Burnout da in der Führungsetage. Immer mehr Führungskräfte sind überlastet. Denn häufig laufen die Fäden des Teams bei der Führungskraft zusammen, welche am Ende die Verantwortung trägt. Aber wie wäre es, wenn jeder Mitarbeiter das tun kann, was er richtig gut kann und dafür dann auch die Verantwortung übernimmt?
  2. Ein intrinsisch motivierter Mitarbeiter wird eher in der Lage sein, effektiver und innovativer zu arbeiten, als ein Mitarbeiter der ausschließlich wegen des Geldes für das Unternehmen arbeitet.
  3. Stärken stärken! Ist es nicht viel sinnvoller das zu nutzen, was der Mitarbeiter bereits an Fähigkeiten mitbringt? Was vielleicht auch nur dieser Mitarbeiter so gut kann? Statt blind Aufgaben zu verteilen, zu delegieren und zu schauen, was dabei rum kommt? Und meistens weiß der Mitarbeiter schon selbst, was er richtig gut kann und was er dafür braucht.
  4. Haben Sie bereits Menschen kennenlernen dürfen, welche an ihrem Leben und ihrer persönlichen Entwicklung interessiert waren? Sie sogar weitergebracht und unterstützt haben? Wie bereichernd wäre es für Sie, wenn Sie so eine Person für ihre Mitarbeiter sein könnten? Und was denken Sie, wie dankbar ihre Mitarbeiter ihnen dafür wären?
  5. Jeder Mensch hat seinen ganz individuellen Erfahrungsschatz und ist unersetzbar. Diesen Schatz mehrwertbringend in das Unternehmen zu heben ist eine große Kunst und zugleich ein enormer Wettbewerbsfaktor. Denn Menschen in ihrer Kraft sind zu ganz außergewöhnlichen Leistungen bereit.
  6. Wertschätzung verbindet. Seinen Mitarbeitern diese Frage zu stellen ist wertschätzend und bindet den Mitarbeiter an Sie und ihr Unternehmen.

Also fragen Sie doch einfach mal morgen einen ihrer Mitarbeiter, was er den braucht, um das zu machen, was er will. Sie werden erstaunt sein, wie seine Antwort ausfällt. Und was diese einfache Frage bewirken kann. Mit Ihnen, Ihrem Mitarbeiter und dem Unternehmen.

Foto: Sarah Jürgel

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