Auf dem Weg zum AUGENHÖHEwegbegleiter

“Über die Zukunft wissen wir nur, dass sie anders sein wird. Der Versuch, die Zukunft vorherzusagen, ist wie das Fahren auf einer Landstraße ohne Licht und mit Blick aus der Heckscheibe. Der beste Weg, um die Zukunft vorherzusagen, besteht darin, sie zu schaffen.” Peter Drucker

Es ist Donnerstag 4:40 Uhr morgens und ich stehe am Bahnhof. Heute beginnt für Real Experts und für mich die Reise zum AUGENHÖHEwegbegleiter. Ich bin echt müde und mich beschleicht ein flaues Gefühl. Ein Teil in mir fragt sich, was ich da gerade mache? Ich habe keine richtige Ahnung, was mich da gleich in Siedelsbrunn erwartet. Ich fahre sozusagen ins Blaue. Sowas habe ich noch nie gemacht. Ein anderer Teil erinnert sich an die AUGENHÖHEfilme. Vor Jahren habe ich den ersten Film gesehen. Es wurden Unternehmen vorgestellt, die irgendwie anders arbeiten. Für mich menschlicher und scheinbar lebendiger - mehr auf Augenhöhe, mehr selbstorganisiert. Ich wollte unbedingt auch mal die Möglichkeit haben in solch einem Unternehmen zu arbeiten, denn die Mitarbeiter da schienen so zufrieden und in ihrer Kraft zu sein. Und nun fahre ich nach Siedelsbrunn. Weil wir bei Real Experts der Meinung sind, das Arbeit und Zusammenarbeit erst richtig gut funktionieren kann, wenn Menschen das tun können, was ihnen liegt und Spaß macht. Und irgendwie scheint der AUGENHÖHEwegbegleiter damit ganz viel zu tun zu haben.

Stille. Stille ist eine Quelle großer Stärke. Ein Zitat das ich kenne und theoretisch verstehe. Praktisch fällt mir Stille schwer. Ich frage mich warum? Als alle Teilnehmer angekommen sind und sitzen wird es still. Und sofort spüre ich eine Kraft. In mir, aber auch in den anderen. Jeder ist gerade okay mit dieser Stille. Sie wird mich über die ganzen 3 Tage begleiten. Ich übernachte in einem buddhistischen Kloster mit “stillem Frühstück”. Mir wird bewusst, wie wichtig Stille auch im Unternehmenskontext ist. Und wie wenig das heute noch Beachtung findet. Großraumbüro, ständig erreichbar, schwimmende Grenzen, überall Medien. Wie ist es überhaupt möglich dabei noch einen klaren Gedanken zu fassen? Ich formuliere eine vorsichtige Hypothese: Vielleicht entstehen in den Unternehmen auch auf Grund fehlender Stille zunehmend Unzufriedenheit und Ineffizienz? Es lohnt sich einmal darüber nachzudenken.

Sichtweisen. Bekanntlich gibt es nicht die eine Wahrheit. Wir alle leben in einem ganz bestimmten Kontext und betrachten das Leben und somit auch unsere Arbeit auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Gibt es vermeintlich ein Problem in einem Unternehmen, gibt es mindestens genauso viele Sichtweisen auf dieses Problem wie es Mitarbeiter gibt, die mit damit zu tun haben. Wie werden Probleme in Unternehmen gelöst? Auch hier gibt es unzählige Möglichkeiten: Top-down, Buttom-up, externe Berater, Konsens, Ignoranz - die Liste ist lang. Die Frage scheint jedoch nicht, welche die beste Lösung ist, sondern vielmehr welche Lösung zu welchem Problem und zu welchem Unternehmen passt. Hoppla! Spätestens nun wird mir klar, dass das mit der Selbstorganisation nicht unbedingt einfacher ist. Es ist vielleicht sogar mehr Arbeit. Aber ich glaube auch, dass dabei verdammt gute Ergebnisse rumkommen. Dass es mehr dem Zeitgeist entspricht. Dass es den dynamischen Märkten und dem Wunsch nach Individualität gerechter wird. Und ja, die Selbstorganisation und das Thema lebendiger Organisationen haben viel mit dem eigenen Menschenbild zu tun. Dem Menschenbild des Unternehmens. Mag ich den Menschen, also meinen Kollegen oder Mitarbeiter als grundsätzlich gut ansehen? Als eine Person, deren Verhalten immer Gründe trägt? Und sind diese Gründe für mich und mein Unternehmen von großer Bedeutung? Die es zu erfragen gilt? Weil es nun mal unterschiedliche Sichtweisen gibt.

Wofür. Ein Fragewort, welches es in sich hat. Das “Warum” fällt mir leicht. Aber das Wofür ist nicht einfach. Also wofür lesen Sie gerade diesen Artikel? Wofür interessieren Sie sich, für menschliche Organisationen oder Selbstorganisation? Wofür bringen Sie diese Zeit auf? Wofür stehen Sie jeden Morgen auf und gehen zur Arbeit? Dieses Wort hat ganz viel mit Ihnen selbst zu tun! Denn es beschäftigt sich unter anderem mit dem Sinn Ihres Tuns. Kennen Sie Mitarbeiter oder Kollegen, die einen wirklichen Sinn in dem sehen, was sie tun? Machen diese einen Unterschied zu den anderen Mitarbeitern und Kollegen? Ich kann für mich persönlich sprechen. Wenn ich Sinn in meiner Arbeit sehe und in dem was ich tue, geht sie mir viel leichter von der Hand und ich mache diese Arbeit dann auch richtig gut. Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, in welchem ausschließlich intrinsisch motivierte Mitarbeiter arbeiten. Was für eine Kraft hat dieses Unternehmen? Was kann es alles schaffen? Ich habe das Gefühl eine solche Form von Unternehmen hat ein gutes Immunsystem und kann verändernde Komplexität nachhaltig aushalten!

Es ist alles schon da. In mir entsteht das Bild einer Tomatenpflanze. In jeder Tomate sind sehr viele einzelne Samen. Jeder dieser einzelnen Samen hat die Möglichkeit wieder zu einer Tomatenpflanze heranzuwachsen, Früchte zu tragen, welche wieder unzählige Samen in sich haben. Es ist in diesem kleinen Samenkorn alles schon drin. Wir müssen dem Samen nur die Möglichkeit geben sich zu entfalten. Übertragen auf ein Unternehmen heißt das für mich Möglichkeitsräume schaffen. Sonne, Wasser, ein solides Fundament. Möglichkeitsräume für Mitarbeiter schaffen, damit diese ihr ganzes Potential entfalten können. Möglichkeitsräume für Selbstorganisation schaffen oder auch Möglichkeitsräume schaffen, um die sich das Unternehmen ganz nach seinem Sinn und seiner Idee entwickeln kann.

Was brauchst du, damit du tun kannst, was du willst? Eine Frage, die mir nach diesen ersten drei Tagen mehr denn je am Herzen liegt. Jeder Mitarbeiter sollte diese Frage gestellt bekommen und sich selbst stellen. Was wäre, wenn genau das der Schlüssel für ein erfolgreiches Unternehmen ist? Utopisch? Zu einfach? Nein, ich glaube fest daran, dass eine Organisation erst richtig in ihre Kraft kommen kann, wenn jeder einzelne Mitarbeiter die Möglichkeit hat, sein ganzes Potential zu entfalten.

“Wir sind diejenigen, auf die wir immer gewartet haben.” Medizinmann der Navajo

AUGENHÖHEwegbegleiter - Daniel Trebien im Interview

Foto: Sarah Jürgel

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