Das Dilemma des New Work Hype

Die Herausforderungen in Unternehmen sind vielfältig aber genauso gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten die Dinge neu zu gestalten. Fast schon erschlagend werden Begriffe wie New Work, Selbstorganisation, Agilität und Digitalisierung in Medien und auf Konferenzen verwendet. Doch wie sollen Geschäftsführer, Führungskräfte und Mitarbeiter da noch durchsehen und wissen, wie man anfängt?

Das, was wir in unserer täglichen Arbeit sehen und was auf der anderen Seite durch die digitalen Kanäle läuft, scheint häufig wenig miteinander zu tun zu haben. Man möchte fast sagen, dass sich da draußen eine Art Blase entwickelt, in der sich viele Berater und große Unternehmen selbst beweihräuchern und hypen. Das Problem daran ist, dass es gerade viele kleine und mittelständige Unternehmen gibt, die da nicht mitkommen. Die Gründe dafür sind durchaus vielfältig. Aber dazu später.

Was beobachten wir in Unternehmen?

In vielen Unternehmen oder auch anderen Organisationen wie Behörden, in die wir einen Einblick erlangen dürfen, gibt es ähnliche Situationen und Herausforderungen. Mitarbeiter und Führungskräfte beklagen sich, dass sich nichts mehr bewegt, also eine Art Starre in den Abläufen und Veränderungsprozessen besteht und dass man an vielen Stellen mit Problemen zu kämpfen hat. Natürlich besteht der Wunsch die Dinge zu ändern, aber es tun sich überall Barrieren auf, an die man stößt. Teilweise resignieren Mitarbeiter, weil sie wissen, wie schwierig es ist eine Veränderung durchzusetzen und zum Erfolg zu führen. Das Bewusstsein über die suboptimalen Zustände und den Bedarf einer Veränderung ist durchaus vorhanden, was sich häufig in einem latenten Gefühl der Unzufriedenheit und des Meckerns ausdrückt. Die verantwortlichen Führungskräfte und die Geschäftsführung wissen durchaus um diese Zustände und haben sich entweder damit arrangiert oder scheuen die Risiken einer bevorstehenden Veränderung. Fast schon kann man sagen, dass es eine Angst gibt die Dinge nicht mehr kontrollieren zu können, wenn der Stein der Veränderung ins Rollen gekommen ist. Also wägt man das Leben mit den Herausforderungen der aktuelle Situation und den Risiken und Ängsten eines Umbruches gegeneinander ab.

Welchen Herausforderungen begegnen Unternehmen?

Natürlich sind die einzelnen und ganz konkreten Herausforderungen in Unternehmen unterschiedlich und individuell bedingt. Aber sicherlich werden ihnen einige der im folgenden genannten Beispiele bekannt vorkommen.

Ganz klar gibt es die äußeren und sichtbaren Probleme wie:

  • ständige Termine und Abstimmungen - nichts läuft von alleine
  • interne Projekte werden nicht fertig oder immer wieder neue gestartet
  • keiner trifft Entscheidungen bzw. alle warten auf Anweisungen
  • die Steuerungs- und Kontrollmechanismen funktionieren nicht wie gewünscht
  • die Kosten und Ineffizienzen nehmen zu
  • man weiß nicht woran andere arbeiten und es fehlt an Kommunikation

Neben diesen sichtbaren und messbaren Problemen gibt es aber auch noch diese, die in den Menschen stecken und häufig versteckt bleiben:

  • Mitarbeiter und Führungskräfte fühlen sich gestresst und unter Druck gesetzt
  • es gibt kein Vertrauen mehr in die Führungskräfte und in die Geschäftsführung
  • man macht nicht die Themen, die einem Spaß bereiten und motivieren
  • viele haben innerlich schon gekündigt und machen nur noch Dienst nach Vorschrift
  • fehlende Anerkennung und Wahrnehmung der eigene Ideen und Arbeit

Als wenn all diese Probleme noch nicht reichen, gibt es noch eine zusätzliche Ebene auf der Wünsche und Erwartungen aufkommen. Bedingt sind diese durch das Gute im Menschen, das Streben nach etwas Höherem und einem insgesamt besseren Zustand, welche jeder in sich trägt:

  • Ich möchte in einer (Unternehmens-)Welt leben, in der es mir und anderen gut geht
  • Ich möchte in Einklang mit meinem Job, meiner Familie und meinen Freunden leben
  • Ich will mich nicht verstellen und möchte mich so einbringen wie ich bin
  • Ich möchte etwas sinnvolles für mich und andere Menschen machen

… und dann kommen die, die von der schönen neuen Unternehmens- und Arbeitswelt sprechen und wie wild mit ihren Marketing-Buzz-Wörtern um sich schlagen. Das hört sich doch alles so toll und nachvollziehbar an. Aber wie in aller Welt soll man als Einzelner im Unternehmen sowas durchsetzen? Wie soll man anderen erklären können was das bringt, wenn man selbst nicht abschätzen kann, ob es tatsächlich zum gewünschten Erfolg führt? Wo soll man bei den Barrieren, von denen man weiß dass es sie gibt, ansetzen und Widerstände überwinden? Da hilft es wenig, sich ein Yotube-Video nach dem anderen anzuschauen oder all diese Konferenzen zu besuchen.

Was macht den Weg zur Veränderung so schwer?

Aber was genau ist denn eigentlich so schwierig daran, etwas zu verändern? Wirtschaftlich sind viele Unternehmen sehr gut aufgestellt, um sich Veränderung leisten zu können. Aber dennoch bewegt sich nichts. Entweder weil das aktuelle Geschäftsmodell noch zu gut funktioniert oder der Schmerz der Organisation noch nicht groß genug ist.

Abseits davon gibt es einige weitere Gründe, die wir immer wieder sehen:

  • es gibt keine internen Berater und Experten, die sich mit diesen Themen beschäftigen können
  • externe Berater entwickeln häufig nicht das erforderliche Verständnis und die Tiefgründigkeit, die es aber braucht
  • keine Priorität seitens der Geschäftsführung und der Führungskräfte sich mit diesen Themen zu beschäftigen
  • keine Affinität und Empfänglichkeit für die Art und Weise des neuen Arbeitens
  • zu stark gewachsene Strukturen und Muster, die nur schwer durchbrochen werden können

… oder auch ganz einfach kein Wille zur Veränderung. Warum soll man auch was verändern, wenn es noch gut genug läuft?!

Wir sprechen hier von einem Dilemma. Auf der einen Seiten gibt es die vielen guten Ansätze, die wirklich eine Verbesserung der Zusammenarbeit und Wirksamkeit von Menschen im Unternehmen bringen können. Auf der anderen Seite sind diese neuen Themen häufig sehr weit von der Realität der Unternehmen entfernt.

Foto: Sarah Jürgel

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