Was verhindert effektive Zusammenarbeit im Unternehmen?

Teamziele werden nicht erreicht. Es gibt deutliche Kommunikationsmängel. Aufgaben werden doppelt erledigt und dafür bleiben andere liegen. Jeder arbeitet für sich und es entsteht zunehmend immer mehr Silodenken. Der Widerstand gegen Veränderungen ist erheblich. Kennen Sie das? Gerade Führungskräfte sind oft betroffen. Denn es gibt einige Gründe, welche effektive Zusammenarbeit verhindern.

Was es bedeuten könnte, gut zusammenzuarbeiten, haben wir in einem unserer letzten Artikel bereits vorgestellt. Dabei ging es um eine gemeinsame Vision, die richtige Rollenverteilung, den respektvollen Umgang miteinander und ein richtig gutes und verdammt wichtiges Konfliktmanagement. Menschen arbeiten nun mal mit Menschen zusammen. Und da es in interner wie externer Zusammenarbeit viele verschiedene Menschen mit ganz unterschiedlichen Ansichten gibt, ist Beziehungspflege enorm wichtig.

Was Ihre Mitarbeiter motiviert

Was ist denn eigentlich Ihr persönliches WHY? Warum stehen Sie früh auf? Warum gehen Sie auf Arbeit? Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht? Gern wird dem Menschen unterstellt, er wäre angetrieben durch Gewinn, Geld und Status. Dies drückt sich häufig durch winkende Bonuszahlungen, einen sehr wichtig klingenden Arbeitstitel oder einen Firmenwagen aus. Aber mal ehrlich! Das motiviert Sie doch nicht wirklich auf Dauer, oder? Arbeiten Sie wirklich 80 Stunden die Woche für eine E-Klasse oder damit Sie Head of irgendwas sind?! Das befriedigt Sie vielleicht einige Zeit. Aber irgendwann werden Sie wieder Hunger bekommen - aber wonach? Glaubt man den aktuellen Erhebungen zur Arbeitsmotivation, welche sich derzeit auf dem Markt befinden, sind vor allem Wertschätzung, Anerkennung und ein harmonisches Miteinander entscheidende Faktoren, um sich früh aus dem Bett und auf die Arbeit zu bewegen. Zweifelsohne muss ein entsprechendes Grundgehalt da sein, um seine Grundbedürfnisse abzusichern. Aber sind alle Grundbedürfnisse befriedigt, scheint Ihr Mitarbeiter nicht durch extrinsische Motivation effektiver zu arbeiten, sondern vielmehr durch intrinsische Faktoren. Meint, das Handeln richtet sich nach inneren Werten und Grundannahmen. Sobald das WHY Ihres Mitarbeiters im Einklang mit seiner Arbeit in Ihrem Team und Unternehmen steht, wird dieser ganz allein und von sich aus erstaunlich motiviert arbeiten. Es behindert fast nichts so sehr die Arbeitsprozesse, wie ein unmotivierter Mitarbeiter. Darum muss es Ihr Anliegen sein herauszufinden, was das ganz persönliche Mitarbeiter WHY ist!

Die Pinguinmetapher

Kennen Sie die Pinguinmetapher? An Land kennt man Pinguine nur watschelnd. Wenn man sie so beobachtet ist deutlich zu sehen, wie mühevoll das Vorankommen für sie ist. Sie watscheln recht langsam von einem auf das andere Bein - bis sie im Wasser sind. Plötzlich ist der sich am Land sehr mühevoll bewegende Pinguin erstaunlich agil und schnell. Es ist die Kraft des Kontextes, die den Pinguin seine Agilität und Schnelligkeit erlaubt. Allein schon die Umgebung bestimmt, wieviel wir von unserem inneren Potential zum Ausdruck bringen können und wie viel wir bereit sind zu geben. Meint für Ihr Team und Unternehmen: Der Kontext den Sie mit Ihren Mitarbeitern schaffen, hat einen essentiellen Einfluss auf die Qualität und Quantität der Zusammenarbeit. Sind Ihre Mitarbeiter in ihrer passenden Rolle in den entsprechenden Kontext eingebettet, arbeiten sie agiler und schneller - und das aus eigenem Antrieb heraus. Ein Mitarbeiter, der sich nicht richtig verortet fühlt, wird auch effektive Zusammenarbeit verhindern.

Kontext: Was ist das?

Also nicht Geld, Gewinn und Status. Sondern sinnhaftes Arbeiten: “Wenn wir einem Sinn folgen, der uns ein tiefes Anliegen ist, dann wollen wir effektiv sein” (Frederic Laloux). Haben Sie sich neben Ihrem persönlichen WHY, dem WHY der Mitarbeiter auch nach dem WHY Ihrer Organisation gefragt? Was ist der Sinn Ihrer Firma? Gewinn? Gewinn haben auch die anderen tausenden Firmen in Ihrer Branche als “Sinn”. Das macht Ihr Unternehmen schlichtweg ersetzbar. Der Trend geht spürbar n zum “Alleinstellungsmerkmal”. Was ist also ist der konkrete Unternehmenssinn? Wenn Ihre Mitarbeiter an das glauben, an das auch Sie und Ihr Unternehmen glauben, wird enorme Energie freigesetzt. Denn dann wird nicht mehr nur für einen Chef oder den Geldgeber gearbeitet, sondern für etwas Größeres - etwas, mit dem sich Ihr Mitarbeiter verbinden kann. Ein fehlender Sinn verhindert auf Dauer somit effektive Zusammenarbeit.

Machtspielchen

Ja, ganz richtig gelesen. Machtspielchen verhindern gut funktionierende Zusammenarbeit. Sobald ein Machtgefälle existiert und auch noch ausgelebt wird, wird der machtärmere Part nicht alles geben und sagen. Das Arbeiten nach eigenem Anspruch wird dann häufig eingetauscht durch das Arbeiten für den Vorgesetzten. Und da liest sich viel schneller eine WhatsApp Nachricht oder wird während der Arbeitszeit im Internet für die Schwiegermutter ein Geburtstagsgeschenk geshoppt. Wird die Macht jedoch verteilt, wird der Anspruch anhand einer inneren Richtschnur gemessen und dieser liegt meist weitaus höher als der von außen herangetragene Anspruch. So wird weniger Zeit darauf verwendet, dem Chef zu gefallen, andere Mitarbeiter wegen einer Beförderung auszuspielen oder das eigene Wissen im Silodenken zu verbergen.

Ich werde weitergebildet

Der Weiterbildungsmarkt boomt. Jeden Tag schießt ein neues Unternehmen aus dem Erdboden, welches irgendwelche Seminare zu irgendeiner Tätigkeit oder Fähigkeit anbietet. Im Unternehmen wird dann von oben herab delegiert, welche Weiterbildung jetzt im Team gemacht werden soll. Das Herabdelegieren funktioniert ja in der Schule auch wunderbar #ironie. Wie sieht es mit Selbstführung aus? Oder: Wie lernen Sie am besten? Wie und was eignen Sie sich gern und mühelos an? Bestimmt nicht das, was man Ihnen von außen vorSCHLÄG! Klar, Sie sind in der privilegierten Position der Führungskraft. Sie dürfen sich selbst führen und selbst bestimmen. Ihre Mitarbeiter nicht? Dabei bietet Selbstführung und Selbstorganisation einen starken Anreiz für kontinuierliches Lernen und zufriedenstellende Arbeitsergebnisse.

Wöchentliche Jour fixe Folter

Wussten Sie, dass die meisten über Outlook gesetzten Besprechungen eine ganze Stunde gehen, weil man immer nur auf halbe oder ganze Stunden buchen kann? Outlook schreibt somit vor, dass ein Meeting eine halbe oder eine ganze Stunde gehen muss. Vielleicht wäre alles schon in 20 oder 45 Minuten besprochen? Jeder weiß, wie zäh so ein wöchentliches Meeting sein kann. Oh ja, Meetings verhindern effektives Zusammenarbeiten, weil Sie kostbare Zeit stehlen. Wenn es überhaupt eine Agenda gibt, wird sich selten daran gehalten. Häufig gibt es dann auch keine Zeitvorgaben für die entsprechenden Agendapunkte. Meistens sprechen immer nur die Personen, die sich selbst gern reden hören. Und diese erzählen Woche um Woche das Gleiche. Hinzu kommt, dass man in einer klassischen hierarchisch organisierten Unternehmensstruktur, auf jeder Ebene genau diese Besprechungen hat. Das endet häufig darin, dass Manager, die eigentlich ein Unternehmen voranbringen sollten, fast ausschließlich in irgendwelchen Meetings und Calls rumsitzen, die eigentlich nur Informationen sammeln, filtern, verpacken und weiter delegieren. Ist das effektiv?

Organisationen werden bisher nach engen und starren Vorgaben geführt, um den Menschen, der als ein scheinbar schlechtes Wesen angesehen wird, zu kontrollieren. Das führt jedoch letztendlich dazu, dass das Unternehmen als Solches vergisst, dass es nicht die neuesten Tools und Methoden sind, die es erfolgreich machen, sondern vielmehr die Menschen darin. Der Mensch ist kein Problem, was es zu bezwingen gilt. Er wartet vielmehr auf die Entfaltung seiner Potentiale. Und wenn das passiert, dann ist effektive Zusammenarbeit kein Thema mehr, denn das passiert dann aus sich selbst heraus.

Foto: Sarah Jürgel

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